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Olaf Stichtenoth über die Due Diligence bei Startups

Serial Entrepreneur & Business Angel

über die Due Diligence bei Startups

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Olaf Stichtenoth: „Es ist natürlich so, wenn ich blind in den Markt investiere, wie ich es zum Beispiel am Aktienmarkt machen kann, dass ich als Business Angel wahrscheinlich keinen Erfolg haben werde. Wenn ich als Business Angel erfolgreich sein will, dann muss ich genau schauen, in welches Unternehmen ich investiere. Je nach Phase sind da sehr unterschiedliche Faktoren entscheidend. Das Team ist immer entscheidend und bei vielen Investments, die ich gemacht habe, gab es eben eine Idee und das Team. Eine Idee ist relativ wertlos und man bekommt die gleichen Ideen als Business Angel relativ häufig auf den Tisch.

Also stellt sich die Frage, ob das Team hinter die Idee das beste Team zur Verwirklichung dieser Idee ist, um mir als Business Angel einen positiven Return zu bringen. Deswegen ist für mich der erste und wichtigste Punkt immer das Team. Und dann natürlich schauen, ob der Markt dafür da ist, haben die eine Vorstellung von Marketing, aber das sind eigentlich alles nachgelagerte Faktoren.

Ich würde jedem raten, erst mal aufs Team zu achten. Wenn das Team auseinanderfliegt, ist mir auch schon passiert, dann hat man meistens größere Probleme zu lösen.

Die Due Diligence ist aus meiner Sicht ein Thema, was bei Startup-Investments oft nicht strukturiert stattfindet und regelmäßig auch nicht stattfinden kann. Due Diligence ist eine Methode, um sein eigenes Risiko zu verringern. Im Venture Capital Bereich sollte es so sein, dass in jeder weiteren Runde das Risiko geringer sein sollte. Das ist auch etwas, was für die Gründer wichtig ist zu verstehen. Es heißt zwar Venture Capital Fonds, aber die Leute sind eher Risikoavers, da sie in späteren Runden reingehen. Business Angels können am wenigsten Risikoavers sein, da sie als Erstes ins Unternehmen reingehen. Als Business Angel ist es sehr schwierig, mit den begrenzten Mitteln eine vernünftige Due Diligence zu machen.

Deswegen denke ich, dass sehr viele Business Angels sagen, dass sie eine Due Diligence machen, aber tatsächlich vertrauen die meisten auf ein Bauchgefühl. Ich mache das auch so, da bin ich ganz ehrlich. Ich schaue mir natürlich den Finanzplan an und überlege, ob ich dem glaube, aber darin steckt es ja schon. Ob ich die Sachen glaube und nicht, ob die Sachen tatsächlich stimmen. Man kann sich natürlich die Unterlagen anschauen, die das Unternehmen bereitstellt und mal den Handelsregisterauszug ziehen. Also eine Basis Due Diligence durchführen, aber die richtige Due Diligence entsteht für mich als Business Angel durch die Gespräche mit den Gründern.“

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Janosch Kühn

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Matthias Helfrich, Business Angel des Jahres 2021

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Business Angel des Jahres 2021

Business Angel Nikolaus D. Bayer
über einen guten Deal-Flow
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Nikolaus D. Bayer: „Für mich ist der beste Teil des Deal-Flows in die Welt hinaus zu gehen, es gibt unzählige Pitch Veranstaltungen, bei denen man sich anmelden kann. Da muss man einfach ein bisschen auf Google recherchieren. Sehr breit verteilt sind aber auch die ganzen Angel Vereine in Deutschland.

Ich habe bei den Business Angels FrankfurtRheinMain so meine ernsthafte Karriere begonnen. Das ist ein bekannter Verein, da melden sich Startups und regelmäßig finden da Matching-Veranstaltungen statt und man kann sich diese Startups anschauen. Gleichzeitig kann man sich mit erfahrenen Business Angels austauschen, wie die die einzelnen Startups beurteilen. Das ist eine spannende und schöne Quelle. Je länger man natürlich dabei ist, da kommt dann der Netzwerkeffekt zum Tragen, weil man dann ja Co-Investoren hat, mit denen man sich gut versteht. Die teilen dann zum Beispiel interessante Startups und so kann man durch den Deal-Flow im eigenen Netzwerk zu spannenden Investitionsmöglichkeiten kommen.

Was meiner Meinung nach ziemlich schlecht funktioniert, sind soziale Netzwerke. Da kommen auch sehr viele Anfragen rein, zum Beispiel über LinkedIn. Bei mir ist da bis jetzt noch nie was draus geworden.

Meiner Erfahrung nach kommt sicherlich vor jeder Beteiligung eine dreistellige Zahl von Startups, die man sich vorher angeschaut hat. Da ist tatsächlich noch mal der Verweis auf das Pitch Veranstaltung oder Angel Clubs. Das ist hilfreich, weil da schon mal eine Vorfilterung stattgefunden hat.“

Janosch Kühn
über seinen Exit bei Kolibri Games
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Janosch Kühn: „Im Gaming Bereich gibt es Analyseseiten und da kann man relativ transparent nachschauen, wie viel ein Spiel oder auch ein Unternehmen verdient. Dann waren wir 2019 schon relativ weit oben und haben ständig irgendwelche Angebote von Investoren bekommen.

Auch andere Unternehmen in diesem Bereich wollten gerne mit uns zusammenarbeiten. Da war schon klar, dass sie entweder kaufen oder investieren wollten. Da werden auch große Zahlen in den Raum geworfen, aber es heißt ja auch noch nichts, weil es lange vor dem Term Sheet war.

Wir sind auch auf ein komplexes Level gekommen und da war auch einfach die Frage, ob es nicht Sinn macht, mit einem starken Partner zusammenzuarbeiten.

Dann haben wir den ganz klassischen Weg über eine Investment-Bank genommen, die uns da auch begleitet hat. Wir haben da mit verschiedenen Strategen und nur mit Strategen gesprochen, weil wir den Eindruck hatten, dass nur die das Thema richtig verstehen.

Wir haben da mit vielen gesprochen und es war so, dass uns Ubisoft am besten gefallen hat. Die waren nicht so weit weg von Berlin, auf dem gleichen Kontinent und in der gleichen Zeitzone. Bei dem Unternehmen haben wir die größten Vorteile für unser Startup gesehen.

Es hat einfach sehr gut zusammengepasst und dann ging es in die Verhandlungen. Als Erstes gab es ein Term Sheet und danach ging es damit weiter, wie der Verkauf auf rechtlicher Seite aussieht. Das war ein sehr langes Dokument, mit sehr vielen Anwälten.

Am Schluss ging es dann zum Notar, der sehr lange vorgelesen hat. Wir haben aus einer sehr guten Stärke heraus verkauft und hätten nicht verkaufen müssen. Das hat uns die Zeit gegeben, einen guten Partner zu finden. Wir waren sehr glücklich mit Ubisoft und fanden es super gut. Dann war es einfach eine gute Story, wo nichts schiefgelaufen ist und alle glücklich waren.
Wir haben die Mehrheit abgegeben und der Stratege wollte nach und nach auch 100 % bekommen. Da waren wir dann noch 1,5 Jahre dabei, haben da ein Management Team mit aufgebaut, den nächsten CEO eingestellt und uns danach aber zurückgezogen.“

Business Angel Andreas Assum
darüber, wie man das Risiko minimieren kann, wenn man auf der Personalseite schnell wachsen möchte
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Andreas Assum: „Wie kann man das Risiko minimieren, auf der Personalseite schnell zu wachsen? Wenn ich mir diese Frage stelle, dann hat es viel damit zu tun, wie zuversichtlich ich, dass mein Produkt auch eine entsprechende Nachfrage bekommt. Ein Konzept, welches mir gut gefällt, ist von Alberto Savoia und nennt sich Pretotyping. Das ist eine Möglichkeit, relativ gute Gefühle dafür zu bekommen, ob ein Produkt wirklich das richtige ist oder ob es floppen wird.

Da wirklich viel Energie reinstecken, bevor man mit der Skalierung beginnt. Also bevor man den Prototypen baut, sich wirklich sicher sein und gute Indikatoren haben. Gerade wenn es um Tech geht, lieber stark in die Product Discovery und Product-Market Fit investieren, bevor man es wirklich baut. Das spart Zeit und Geld.“

Business Angel Tina Dreimann
über ihre Erwartungen an die Gründerinnen und Gründer
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Tina Dreimann: „Nach dem Abschluss einer Finanzierungsrunde ist ein spannender Moment. Erst mal sollte das Team natürlich feiern, weil sie es geschafft haben. Gleichzeitig empfehle ich jedem Team so zu tun, als wären sie vor der Finanzierungsrunde. Gar nicht mal, weil sie wieder Raisen müssen, sondern weil die Knappheit an Ressourcen zu Kreativität führt.

Also die Startups sollten weiter so tun, als hätten sie kleine Taschen und gut überlegen, wofür sie das gewonnene Kapital einsetze, um das Unternehmen fokussiert voranzutreiben. Also nicht gleich in ein fancy Office in der Maximilianstraße investieren, sondern eher in das Produkt, in die Kunden und in das Team.“

Business Angel Andreas Assum
über das Potential, das Startups haben sollten
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Andreas Assum: „Ich würde es nicht an einer absoluten Umsatzgröße festmachen, sondern daran, ob eine Nische in einem Markt klar besetzt werden kann. Da sollte die Chance sein, der Marktführer zu werden.“

Business Angel Olaf Stichtenoth
über das Wandeldarlehen
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Olaf Stichtenoth: „Das Thema Wandeldarlehen ist erst seit ein paar Jahren so richtig aktuell geworden. In den USA gibt es das und andere Modelle schon länger. Es gibt verschiedene Modelle, wie man Fremdkapital in ein Startup geben kann. In Deutschland wird gerade am meisten das Wandeldarlehen genutzt. Das ist eine Schuldverschreibung, also ein Kreditvertrag, mit dem versprechen, dass der später in echte Anteile wandelt. Da werden eigentlich zwei zentrale Dinge definiert. Das eine ist der Cap, also zu welcher Bewertung später maximal gewandelt wird. Wenn man ein Cap von 4 Millionen hat und später eine Runde von 8 Millionen macht, dann bekommen die Angels zu dem Wert Shares, der bei 4 Millionen gewesen wäre.
Die bekommen also ihre Shares doppelt so billig wie die späteren Investoren.

Der zweite Parameter ist der Discount. Der Discount ist zum Beispiel 20 %, ich glaube maximal 25 %, wenn man einen INVEST Zuschuss bekommen möchte. Den kann man aber frei wählen und ich habe auch schon höhere Discounts gesehen und selber höhere Discounts gemacht. Der ist im Fall, dass der Cap nicht erreicht wird, kommt der Discount zum Tragen. Es wird immer das genommen, was für den Business Angel günstiger ist.

Das bedeutet, wenn ich einen Cap von 4 Millionen habe und einen Discount von 20 % und ich mache eine Finanzierungsrunde von 4 Millionen, dann wäre das mein Cap, aber weil ich 20 % Discount habe, wäre dann meine Bewertung 3,2 Millionen. Das sichert den Business Angel ab, dass er eine Investition nicht mit einer unseriösen Bewertung macht. Die Bewertungen sind im Moment auch relativ hoch im Markt.

Wenn man dann gleich eine Equity Runde macht, dann hat man halt seine Equity zu der Bewertung. Mit einem Wandeldarlehen sichert man sich so ab, dass man keine Down Round macht und man nicht zu einer niedrigeren Bewertung wandelt als die anderen Investoren, die später reingehen. Und man bekommt ein Premium über den Discount oder über den Cap, der für das frühere Risiko entschädigt.“

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