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Wolrad Claudy über den Umgang mit Krisen

Business Angel aus Frankfurt

über den Umgang mit Krisen

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Wolrad Claudy: „Investoren sollten Firmen eine zweite Chance bieten. Das ist eine Spezialität von uns, also einem Unternehmen eine zweite Chance zu geben. Bei solchen Sondersituationen mit reinzugehen und den Pivot zu triggern, sodass man den Marktzugang nochmal neu beleuchtet und nochmal anders rangeht.

Wir haben verschiedene Erfahrungen mit Krisen gemacht. Es gibt so die Floskel: “Man kann einem Patienten nur helfen, wenn er erkennt, dass er krank ist.” Das heißt, es bedarf immer der Bereitschaft der Gründer-Teams, sich auch helfen zu lassen. Sind die Gründer immer noch 100 % vom eigenen Geschäftsmodell überzeugt, werden sie sich kaum vom Pivot überzeugen lassen. Es gibt ein schmales Fenster zwischen der Erkenntnis der benötigten Hilfe aufseiten der Startup-Gründer und dem Zeitpunkt, wo es dann zu spät ist, das Ruder noch herumzureißen.

In diesem Fenster, das je nach Startup-Team größer oder kleiner ausfällt, gilt es Angebote zu machen, um dann mit frischem Geld und zusammen mit den Gründern neue Ideen und Herangehensweisen anzugehen. Wir haben diesbezüglich bessere Erfahrungen mit erfahrenen Gründern gemacht, da sie eher wissen, wie hilfreich externe Unterstützung ist.

Da ist es uns zum Beispiel gelungen, ein Unternehmen aus der Logistikbranche aus einer sehr schwierigen Situation herauszubringen und die jetzt auf einem sehr schönen Weg sind.
Übrigens hat uns da der erste Investor des Unternehmens herangezogen. Gründer sehen in solchen schwierigen Situationen häufig den Wald vor lauter Bäumen nicht und natürlich haben auch Investoren das Interesse daran, dass sie ihre Investition nicht abschreiben müssen. Unser Beitrag war frisches Geld, unser Know-how, unser Netzwerk und damit einen Pivot mit auf den Weg zu bringen.

Bei jüngeren Gründern ist es sehr oft schief gegangen, weil die Erfahrung des Scheiterns noch fehlt. Es ist auch wichtig zu wissen, wie weit man vom Scheitern entwerft ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt und dann wird das Zeitfenster, wo man eingreifen kann, auch zu eng.

Sehr viele Business Angels sind mit ihrem eigenen Geld dabei und bestenfalls Beraterfunktion und/oder Beiratsfunktion. Damit sind sie Tipp-Geber, sind den Gründern aber klar im Nachteil, weil sie sich nur einmal in der Woche oder einmal im Monat in die Thematik eindenken. Die Gründer hingegen leben und sterben mit der Thematik und haben da eine ganz andere Tiefe drin.

Wenn sich das Gründer-Team verrennt, ist es durchaus wichtig, operativ erfahrenes Personal zu haben und zur Seite zu stellen. Also Personen, die sich in der Thematik auskennen und bereit sind, wirklich tief in das Startup einzusteigen. Wir älteren und erfahrenen Investoren haben immer den Anspruch, alles besser zu wissen und damit werden Gründer auch verschreckt, aber der Teufel steckt im Detail und der eröffnet sich einem nicht, wenn man nur von der Seitenlinie mit draufschaut. Da muss man mit aufs Spielfeld und mitspielen, sonst wird es nicht gelingen.“

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Business Angel Wolrad Claudy

Wolrad Claudy

Business Angel aus Frankfurt

Business Angel Wilfried Gillrath

Wilfried Gillrath

Business Angel aus Hamburg

Business Angel Joakim Nägele

Joakim Nägele

Business Angel aus Hamburg

Business Angel Tina Dreimann

Tina Dreimann

Impact Business Angel

Dr. Patrick Müller
über Pooling
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Dr. Patrick Müller: „Da gibt es im wesentlichen drei Grundmodelle:

Investmentgesellschaft gründen:
Es gibt eine GmbH als Startup (XY-GmbH) und da gehen im Rahmen einer Finanzierungsrunde verschiedene Business Angels mit rein. VC Fonds werden das eher weniger machen, da sie ihr eigenes Vehikel haben. Wenn aber mehrere Business Angels in eine Seed-Finanzierung im Family & Friends Bereich investieren, kann es schon auch Sinn machen, wenn sie ihre Anteile in einer eigenen UG oder GmbH poolen.

Im Cap Table taucht dann nur ein Gesellschafter auf und man kann natürlich innerhalb dieser UG oder GmbH alles Mögliche regeln. Vor allem kann man einen zentralen Geschäftsführer ernennen, der auf der Gesellschafterversammlung des Startups entscheidet. Es führt dazu, dass die ganzen Abstimmungen aus dem Startup rausgehalten werden. Es ist aber in der Regel nur dann möglich, wenn es ein gewisses Vertrauen unter den Business Angels gibt.

Stimmrechtspooling:
Das bedeutet, die einzelnen Investoren gehen in die Beteiligung des Startups mit rein, schließen aber einen Stimmrechtspoolvertrag ab. So müssen sich die Business Angels vor den Gesellschafterversammlungen abstimmen, um ein einheitliches Abstimmungsverhalten sicherzustellen. So wird ein konfliktfreies Abstimmungsverhalten in der Gesellschafterversammlung gewährleistet.

Treuhandmodell:
Rechtlich bleibt man im Startup investiert, aber man hat ein Konstrukt entworfen, wo die einzelnen Investoren bestimmte Rechte an den Treuhänder outsourcen. Der Treuhänder ist auch intern gebunden, dass er sich vor Abstimmung intern mit den Investoren abstimmt.

Alle Modelle führen zum gleichen Ergebnis, nämlich eine zersplitterte Gesellschafterstruktur mit Chaos in den Abstimmungen zu vermeiden.“

Business Angel Olaf Stichtenoth
über die Bedeutung von Nachfinanzierungen
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Olaf Stichtenoth: „Also Nachfinanzierung ist so ein Thema, was auf verschiedenen Ebenen ganz relevant ist, wenn man als Business Angel irgendwo reingeht. Zum einen ist es so, dass ich mittlerweile die Teams so anschaue, ob sie in der Lage sind, eine Folgefinanzierung auf die Beine zu stellen. In den seltensten Fällen ist es so, dass durch mein Investment die Investitionskette fertig ist und das Unternehmen selbstständig aus dem Cashflow wächst.

Im Regelfall sind irgendwann Folgefinanzierungen nötig und wenn man als Business Angel schon sieht, dass das Team wahrscheinlich dazu nicht in der Lage sein wird, dann macht es kein Sinn, da zu investieren. Das muss man sich an so einem frühen Punkt schon klar machen. Zum anderen ist es so, dass ich die Folgeinvestoren natürlich auch brauche, um aus meiner Investition ein vernünftiges Multiple rauszuholen. Ein Unternehmen muss in unterschiedlichen Stufen neue Bewertungen bekommen und eine hohe Bewertung bei einem Exit erreichen, damit es sich für mich als Business Angel gelohnt hat.

Insofern sind Nachinvestments sehr zentral für die Unternehmen, um da hinzukommen, wo sie hinkommen wollen. Das sollte man von Anfang an mit bedenken.“

Business Angel Nikolaus D. Bayer
über sein Umgang mit Krisen
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Nikolaus D. Bayer: „Als nicht operativer Business Angel bin ich nicht im Tagesgeschäft involviert. Ich habe keine formale Rolle, ich bin kein Geschäftsführer, kein Mitarbeiter im Unternehmen.

Als Business Angel Investor wirkt man natürlich durch sein Wort. Man hat im Regelfall keine beherrschende Mehrheit in der Gesellschafterversammlung. Also kann man nur mit Argumenten beeinflussen und ich denke, das sollte man auch tun. So kann man vor möglichen Problemen so früh wie es geht warnen und die Co-Investoren in dem Thema mit an Bord zu holen. 2, 3 oder 4 Stimmen sind immer mehr als eine Einzelmeinung.“

Business Angel Jana Moser
über Zuschüsse für Business Angels
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Jana Moser: „Also der BAFA-Zuschuss ist eine schöne und einfache Sache. Da füllt man online alle Formalitäten aus. Dabei ist die Reihenfolge wichtig. Als Erstes muss das Startup selber den Antrag zur Förderfähigkeit eingestellt haben. Wenn der Antrag entsprechet durchgegangen ist, dann gibt es eine Nummer von der BAFA, die dann bei einem eigenen Business Angel Antrag eingetragen werden muss.

Dann gibt man alles vorher ein. Es ist auch wichtig, dass alles vor Geldfluss gemacht wird, weil es danach nicht mehr geht. Vorher alles online machen und die Anträge müssen auch noch mal ausgedruckt und hingeschickt werden. Also ein bisschen Papierkram ist dann doch zu erledigen.

Es gilt immer der Eingang bei der Behörde (das ist mein aktueller Stand), wenn es um die entsprechenden Fristen geht. Des Weiteren sind die Wandlungsfristen wichtig, die muss man sich immer wieder vor Augen führen und rechtzeitig handeln. Man wird außerdem immer wieder von der BAFA angeschrieben, ob die Beteiligung noch bestand hat.

Es gibt eine Haltefrist von 3 Jahren, also muss man das Startup 3 Jahre im Rahmen einer Beteiligung begleiten. Erst dann kann man das Geld nachher tatsächlich behalten. Die Fördersumme bekommt man unmittelbar nach der Beteiligung. Also im Falle des Wandeldarlehens nicht sofort, sondern erst, wenn die Beteiligung stattgefunden hat. Die muss man nochmal nachweisen und dann bekommt man erst die Fördersumme.

Einige Angels sagen, dass der BAFA-Zuschuss keine große Rolle spielt, weil sie schon andere Beratungsleistungen oder andere geschäftliche Beziehungen zu dem Startup haben. Das führt zu Geldflüssen zwischen dem Startup und dem Investor. Das ist gar nicht so selten, weil viele Angels ihre eigenen Beratungs-, IT-Dienstleistungen oder andere Leistungen gerne über das Startup hebeln wollen. In diesen Fällen kann man den BAFA-Zuschuss nicht bekommen.“

Business Angel Olaf Stichtenoth
über die Ticketgröße
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Olaf Stichtenoth: „Prinzipiell muss man sich als Business Angel die Frage stellen, wie viel Geld ich in Startups investieren kann. Außerdem, ob ich an dem Punkt bin, dass ich auch in Startups investieren möchte. Aus meiner Sicht sollte man in der Lage sein, ein paar Investments zu tätigen. Das kann natürlich jeder anders sehen.

Ein Investment als Business Angel fängt meiner Meinung nach bei 25.000 Euro pro Unternehmen an. Das heißt, wenn ich 10 Investment machen will, dann muss ich 250.000 Euro zur Verfügung haben, auf die ich in keiner Weise angewiesen bin. Das sind wirklich Risikoinvestments, die haben auch das Potenzial, ein hohes Multiple zu erreichen und entwickeln sich vielleicht besser als andere Investitionen in Güter oder Unternehmen. Aber die tragen eben auch andere Risiken. Man sollte nie ein Kredit auf ein Eigenheim nehmen und damit Angel Investitionen machen. Außerdem sollte man auch keine Aktien beleihen, die man vielleicht für seine Rente gedacht hatte. Dieses Geld lässt man in seinen Aktien, ETFs oder in seinem Eigenheim und tilgt vielleicht erstmal irgendwelche Kredite.

Angel Investments sollte man wirklich nur mit dem Geld machen, welches man frei zur Verfügung hat. Es tut immer weh, wenn man Geld verliert, aber es darf eben nicht so richtig wehtun. Es darf einem keine relevanten Probleme erzeugen. Manchmal fühlt es sich so an, dass die Startup-Investments eine sichere Sache sind und die Founder verkaufen es auch so, sie sind es aber nicht.

Als Eigenkapitalinvestor ist man der Letzte in der Kette, wenn es irgendwie schief geht. Im Regelfall bekommt man im Insolvenzfall wirklich nichts zurück. Das muss man sich klar machen. Wenn ich jetzt nur 10.000 – 15.000 Euro als quasi Spielgeld habe, dann kann man sich einen erfahrenen Business Angel suchen, der Geld von anderen Leuten mit in seine Investments mit reinnimmt. Ich mache sowas nicht.

Außerdem kann man über Crowdinvesting-Plattformen oder Angel Clubs gehen, wo man eben mit kleineren Summen teilnehmen kann. Ab einem gewissen Betrag kann man auch in kleinere VCs investieren.“

Business Angel Stefan Müller
über seinen Kontakt mit anderen Angels und den Gründer:innen
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Stefan Müller: „Der Informationsfluss bei Business Angels ist natürlich entscheidend: Man muss primär ein Vertrauen in die Gründer:innen haben, sonst braucht man gar nicht erst weitermachen. Das ist wirklich das A und O.

Der zweite Punkt ist, dass man sich auch zwischen den Business Angels und zwischen den Gesellschafter:innen regelmäßig austauscht, ohne die Gründer:innen. Damit man sich gegenseitig kennenlernt und die unterschiedlichen Stärken herausarbeiten kann. Was kann die Person einbringen? Kennt der eine Angel sich vielleicht besser mit Online-Marketing aus, oder kennt ein anderer Angel vielleicht einen guten Anwalt, der einem zum Beispiel helfen kann dieses Wandeldarlehen noch ein bisschen weiter zu optimieren.

Deshalb kann ich nur dazu raten, neben dem klassischen Treffen mit den Gründer:innen, auch nur mit den Angels Treffen zu veranstalten. Wir machen es ungefähr alle drei Monate in unserer Angel-Runde, die in die eine Firma investiert haben. Da sprechen wir nicht nur über das Investment, sondern auch über unsere Stärken und Schwächen. Auch über Erfahrungen aus anderen Firmen kann man sich austauschen. Dies hilft unglaublich weiter, um sein Netzwerk zu erweitern und zu lernen.“

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