Wie anspruchsvoll dürft ihr bei der Suche von Angels sein?

Das Gründungsteam von Lesido
Das Fundraising von Angel-Investoren ist eigentlich ein mühsames Geschäft. Doch nicht für Janina Jauch, der Mitgründerin von Lesido. In wenigen Monaten konnte sie für ihr Startup fünf Angel-Investoren und einen mittleren sechsstelligen Betrag gewinnen. Welche Gedanken sie sich vorher gemacht hat und wie anspruchsvoll sie bei der Auswahl ihrer Angels war, erzählt uns Janina im Interview.

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(Länge: 11:20 Minuten)

Anne: Seit wann gibt es Lesido und was macht ihr eigentlich?

Janina: Uns gibt es seit etwa Anfang des Jahres und mit Lesido bauen wir das Netflix für Bilderbücher mit integriertem Videochat. So ermöglichen wir es, entfernt wohnenden Familienmitgliedern, wie zum Beispiel Omas und Opas, junge Familien zu unterstützen, wie es bisher einfach noch gar nicht möglich war.

Man glaubt es nicht, aber über 90 Prozent der Omas und Opas wohnen weit entfernt. Damit wollen wir einen Beitrag leisten zu einem ganz großen, bisher komplett ungelösten Problem für junge Eltern: nämlich dem kurzfristigen Betreuungsbedarf von Kindern, der eben nicht von der Kita gedeckt werden kann. Und außerdem kreieren wir einzigartigen Daten-basierten Content für Kinder und versuchen so „die Black-Box Kinder-Geschmack“ zu demystifizieren.

Anne: Ist das ein Produkt der Corona-Pandemie?

Janina: Es ist natürlich ein ganz großes Thema in der Corona-Pandemie. Auch in diesem Winter wird es ganz wichtig sein mit der Quarantäne, die es noch gibt. Wir gehen aber davon aus, dass es grundsätzlich gar kein Corona-Thema ist, sondern ein Thema, was ganz aktuell ist und aktuell bleiben wird – durch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Sobald man arbeiten möchte hat man mit kleinen Kindern ganz oft das Problem, dass sie krank sind und nicht in die Kita können. Die Eltern müssen trotzdem arbeiten, vielleicht hier einen Kurs machen, da eine E-Mail schicken. Bisher gab es einfach nur die Möglichkeit, die Kinder vor YouTube Kids zu setzen. Und wir schaffen jetzt eine echte Alternative mit beispielsweise den Omas, die gerne helfen würden, aber bisher nicht konnten.

Anne: Recht schnell seid ihr zu dem Thema Fundraising gekommen und habt jetzt 5 Angel Investoren gewinnen können. Wie lange hat denn der Prozess des Fundraisings insgesamt gedauert für diese Runde?


Janina: Das war ehrlicherweise sehr schnell. Wir waren uns schnell einig. Vom Erstgespräch, der Erstansprache bis zur finalen Einigung waren es nur wenige Monate. Ich würde sagen, vielleicht drei Monate. Es hat dann am Ende ein bisschen länger gedauert mit dem eigentlichen Gründungsprozess und den administrativen Themen wie Notar etc. Aber die Einigung mit den Investoren hatten wir sehr schnell.

Anne: Wie seid ihr an die Investorensuche rangegangen? Habt ihr euch vorher bestimmte Gedanken gemacht?

Janina: Wir wollten Investoren, die unternehmerisch wirklich mitgehen. Sie sollten sich für das Produkt und unseren Markt interessieren, und natürlich für uns als Unternehmer. Wir hatten also „hohe Ansprüche“. Wir wollten niemanden, der „nur von außen draufschaut” und uns alle paar Wochen mal auf die Finger klopft. Es war uns wichtig, echte Partner zu finden.

Unsere Herangehensweise war, dass wir befreundete Startups gefragt haben, wer bei ihnen investiert ist und wie zufrieden sie mit diesen Business Angels sind. Dementsprechend haben wir die Favoriten angefragt.

Anne: Wenn du dich da an den ersten Kontakt erinnerst, wie lief das ab? Wart ihr alleine oder im Team? Habt ihr gepitcht? Wart ihr auf einer Veranstaltung?

Janina: Den ersten Kontakt mit einem Angel Investor habe ich tatsächlich alleine gemacht – auch, um den Prozess erstmal kennenzulernen. Ich wollte verstehen, wie so ein Gespräch funktioniert. Später sind dann natürlich sehr schnell die anderen Teammitglieder in die Gespräche dazu gekommen.

Anne: Hat dieser erste Investor auch gleich investiert?


Janina: Ja, tatsächlich. Wir hatten großes Glück auch schon bei meinem allerersten Gespräch. Es war natürlich hilfreich, dass dieser Kontakt über Empfehlungen kam. Wir wussten auch schon, dass dieser Angel Investor, „unseren Anforderungen entspricht“. Wir haben länger diskutiert und ich war beeindruckt über die Tiefe und Intensität der Fragen. Man hat richtig gemerkt, dass er sich wirklich engagiert hat und sich Gedanken gemacht hat. Es ist einer der Hauptinvestoren, die dann auch tatsächlich gleich eingestiegen sind.


Anne: Jetzt habt ihr fünf Investoren. Wie seid ihr vom ersten zu den anderen gekommen?

Janina: Das ist der gleiche Weg. Uns war wichtig, dass die Angels in der persönlichen Interaktion mit uns sind. Deshalb sind wir bei unserem Empfehlungsmechanismus geblieben. Alle unsere Angels wurden uns empfohlen. Manche kannten sich schon und hatten teilweise auch schon zusammen investiert.

Das ist natürlich wunderbar, weil wir so sicherstellen können, dass alle an einem Strang ziehen und nicht möglicherweise ein Investor ganz konträr zum anderen denkt und agiert. Das hätte sonst für uns als Startup sehr schwierig werden können.

Anne: Gab es noch andere Kriterien?

Janina: Insgesamt wollten wir sehr aktive Angels haben. Wir wollten Angels, die schon viel investiert hatten – explizit auch in unseren Bereichen, also Consumer und Tech Business. Uns war wichtig, dass sie nicht ihr erstes Investment mit uns machen und auch schon Erfahrung beim Exit haben. Idealerweise bringen sie also große Erfahrungen als Serial-Investoren mit, von denen wir dann natürlich auch profitieren können. 

Anne: Woher wusstet ihr, dass eure Kontakte all diese Erfahrungen mitbringen? Das rauszubekommen ist am Anfang sicher nicht einfach, oder?


Janina: Genau, das muss man recherchieren. Es gibt tatsächlich Angels, die sogar Webseiten haben und die ihre Investitionen öffentlich machen. Man kann also durchaus gut im Internet recherchieren, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt. Da gibt es  entsprechende Plattformen oder das Handelsregister.

Anne: Das klingt so, als habt ihr alles richtig gemacht. Oder gab es auch kleine Hindernisse und Hürden? Würdest du etwas anders machen beim nächsten Mal?

Janina: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, was wir sicher anders machen würden wäre rein prozessual. Wir würden administrative Themen besser strukturieren, zum Beispiel, das Thema Vertrag aufsetzen oder das Shareholder Agreement erstellen. Also alles, was in Richtung Prozess geht und möglicherweise die Geschwindigkeit des Prozesses erhöht. Das sind aber wirklich eher administrative Themen und keine „Angel-Themen“.

Anne: Was ist denn aus deiner Sicht das, was du den Gründerinnen und Gründern mitgeben kannst? Hast du vielleicht drei top Empfehlungen, damit das möglichst stressfrei funktioniert?

Janina: Als erstes muss man sich sehr gut überlegen, was für einen Angel oder welche Art Angel will ich haben bei uns? Wie gesagt war das für uns wichtig, dass sie hands-on sind, dass sie schon viel investiert hatten, dass sie auch in den entsprechenden Bereichen investiert hatten und viel Erfahrung mitbringen.

Das zweite Wichtige war für uns definitiv, diese Erfahrungen auch zu verifizieren. Wir haben das gemacht über Empfehlungen aus dem Netzwerk. Und das Dritte ist, glaube ich, wirklich ein ganz früher, enger Austausch mit den Angeln: Wo sehen sie die Firma? Wohin würden sie die Firma entwickeln? Habt ihr die gleiche strategische Ausrichtung? Das sind, aus meiner Erfahrung, die drei wichtigsten Punkte.

Anne: Das Fundraising ist ja nur der Beginn. Wie geht es denn jetzt mit euch weiter?

Janina: Wir haben jetzt die Web Version gelauncht und werden voraussichtlich im November noch die App in den Apple und in den Android Store bringen. Und hoffen, dass wir so jetzt gerade über den Winter viele Familien verbinden und Kindern helfen können in Quarantäne.

Anne: Ich wünsche euch ganz viel Erfolg und bedanke mich für das Gespräch.

Janina: Vielen Dank, Anne!

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