Wie Marcel von Quantistry ganze sieben Angels überzeugen konnte

Marcel Quennet - Gründer von Quantistry
“Die Vorbereitung ist das A und O beim Fundraising.” sagt Marcel Quennet, Mitgründer und CEO von Quantistry. Das Deep Tech Startup hat zuletzt eine Runde mit sieben Investoren abgeschlossen und dabei über eine halbe Million geraised. Welche Informationen man im Detail vorbereiten sollte, um für die Gespräche mit potenziellen Angel Investoren gerüstet zu sein, erzählt er uns hier im Interview bei AddedVal.io.
YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

(Länge: 8:26 Minuten)

Anne: Womit beschäftigt sich Quantistry? 

Marcel: Quantistry hilft dabei, die chemische und pharmazeutische Forschung und Entwicklung zu digitalisieren. Dazu entwickeln wir eine hochgradig innovative und intuitive Plattform für Computational Chemistry, mit der man Teile von Laborversuchen am Computer simulieren kann, um sie nicht mehr im Labor machen zu müssen. Dadurch können wir die Forschung und Entwicklung unserer Kunden deutlich schneller, günstiger und umweltschonender gestalten. 

Anne: Und das braucht bestimmt auch eine ganze Menge Kapital. Wie seid ihr an die Investorensuche herangegangen? Wie habt ihr den ersten Angel gefunden? 

Marcel: Wir sind vor allem über unser Netzwerk gegangen. Das heißt, wir haben am Anfang den ersten Angel aufgenommen und konnten uns darüber eine gewisse Vertrauensbasis schaffen, um mit weiteren Angels ins Gespräch zu kommen. Natürlich haben wir abseits davon auch mit vielen Venture Capital Firmen gesprochen und uns alternative Möglichkeiten angesehen. Aber am Ende des Tages haben wir uns dazu entschieden, die Finanzierungsrunde mit Angel-Investoren zu schließen. 

Anne: Welche Kriterien spielten dabei eine Rolle, sich für Angels zu entscheiden? 

Marcel: Es gab da einige. Vor allem ging es dabei um die Ticketgröße. Für Venture Capital Firmen benötigt man eine gewisse Ticketgröße, eine gewisse Reife und ein passendes Geschäftsmodell. Zum damaligen Zeitpunkt haben wir uns bewusst dagegen entschieden. Wir sind in einem sehr bestimmten Bereich unterwegs und wollten am Anfang mit einer kleineren Ticketgröße starten. Das haben wir dazu mit einem öffentlichen Förderprogramm gehebelt. 

Anne: Wie fängt man denn mit dem eigenen Netzwerk an? 

Marcel: Wir hatten den Vorteil, dass jeder von uns Gründern schon ein gutes Netzwerk mitgebracht hat. Dort haben wir angefangen zu fragen, ob jemand jemanden kennt, der an einer Investition Interesse hat. Generell, gerade im Angel-Bereich kann man natürlich über die lokalen Business Angel Clubs gehen und sich dort vorstellen. Aber auch bestimmte Online-Plattformen bieten sich an, sich dort als Startup zu bewerben oder ein Profil anzulegen, um dort nach Investoren zu suchen. 

Anne: Welche Erfahrungen habt ihr mit Plattformen gemacht? 

Marcel: Wir haben uns viele Plattformen angeschaut, natürlich mit negativen und positiven Beispielen. Insgesamt bieten diese eine gute Möglichkeit, als Startup mit weniger Aufwand eine größere Zielgruppe an Investoren zu erreichen. Man kann sich dort sehr gut präsentieren und kommt einfach viel besser an Business Angels heran. In unserer Erfahrung haben Plattformen also ungemein geholfen, Business Angels zu finden. 

Anne: Welche Rolle spielen Events bei der Investorensuche? 

Marcel: Wir waren auf vielen Pitch-Events und Pitch-Veranstaltungen. Wir haben dort häufig vorgetragen. Am Ende des Tages haben die geholfen, unser Startup sichtbarer zu machen und ein bisschen mehr PR zu bekommen. Aber etwas Konkretes ist in unserem Fall nicht erwachsen. 

Anne: Was waren die Faktoren, die eure Business Angels überzeugt haben? 

Marcel: Wir konnten die ersten Business Angels vor allem vom Gründer-Team überzeugen. Wir bringen unterschiedliche Fähigkeiten mit und sind von unserer Idee begeistert. So konnten wir auch die Angels für uns gewinnen. Eins kam zum anderen, vom ersten Angel, zum zweiten Angel und so weiter, bis wir die Runde voll hatten. 

Anne: Welche Herangehensweisen waren am Ende nicht so hilfreich und zielführend? 

Marcel: Rückblickend hätten wir uns zu diesem Zeitpunkt die Suche im klassischen Venture Capital Bereich sparen können. Nichtsdestotrotz war aber auch dies auf jeden Fall eine wertvolle Erfahrung. So konnten wir schon mal lernen und teilweise durchmachen, wie die Venture Capital Welt funktioniert. 

Anne: Noch mal auf das gesamte Fundraising geschaut, was muss denn ein Gründer wirklich mitbringen, um die Angels zu überzeugen? 

Marcel: Ein Gründer sollte natürlich begeistert sein von dem, was er macht und optimistisch in die Zukunft blicken. Bei uns hat es geholfen, dass wir ein sehr gutes Gründerteam sind mit diversen Fähigkeiten. Natürlich muss auch die Idee eine gewisse Substanz haben. 

Wir sind im klassischen DeepTech Bereich, insbesondere mit einem Fokus auf Quantensimulation. Das ist natürlich für Investoren ein sehr spannendes Feld, weil es maßgeblich die Zukunft gestalten wird. 

Anne: Welche weiteren Tipps würdest du anderen Gründer*innen geben, damit das Fundraising möglichst stressfrei und erfolgreich wird? 

Marcel: Eine sehr gute Vorbereitung ist extrem wichtig. Das beginnt bei dem klassischen Pitch Deck für Investoren, geht weiter über tiefere Recherchen zum Markt, zu Konkurrenten und Kunden. Dazu gehören zum Beispiel, dass alle Marktzahlen, Marktgrößen und auch Hochrechnungen des Potenzials stichhaltig und quantifizierbar sind. Das Ganze sollte mit guten Quellen hinterlegt sein. Und natürlich ist es wichtig, das ganze Wissen für die Gespräche auch parat haben.

Für eine kleine oder größere Due Diligence gilt es auch, Fragen zur Finanzplanung beantworten zu können. Die Investoren oder die Business Angels haben da im Vorfeld in Bezug auf die Due Diligence unterschiedliche Vorstellungen, aber insgesamt ist es wichtig, das alles schon mal durchdacht zu haben, um den Prozess nicht unnötig zu verlängern. 

Anne: Wie lange habt ihr für die Vorbereitung gebraucht? 

Marcel: Wir wussten vorher ungefähr, was benötigt wird und haben das auch vorbereitet. Ich denke, etwa ein bis zwei Monate brauchte es schon, um die Informationen so weit bereit zu haben, dass wir zügig auf Anfragen reagieren konnten. Das heißt, wir konnten dann sofort ein Pitch Deck versenden, direkt ins Gespräch eintauchen und dann natürlich auch Folgematerial liefern. 

Anne: Wie geht es jetzt mit euch weiter nach dem Fundraising? 

Marcel: Wir haben die Runde mittlerweile geclosed und haben jetzt auch noch ein zusätzliches Förderprogramm einwerben können. Dadurch sind wir nun stark im Hiring unterwegs, das heißt, wir verstärken unser Team. Wir sind seit Anfang des Jahres von 5 auf mittlerweile 12 Mitarbeiter und MitarbeiterInnen gewachsen. Jetzt gerade sind wir auch dabei, unser Produkt weiterzuentwickeln und den Markt zu analysieren. Das bedeutet, neue Kunden finden, die unser Produkt verwenden und damit die Firma weiter ausbauen. 

Anne: Danke für das Gespräch!

Marcel: Vielen Dank auch von meiner Seite.