Das perfekte erste Investorengespräch: Was Gründer*innen ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg geben würden

Wie gerne würden wir manchmal in eine Zeitmaschine steigen und in wichtige Momente unserer Vergangenheit zurückreisen? Welche Entscheidungen würden wir dann nochmals überdenken und in der Retrospektive verändern? Welche Erkenntnisse aus unserem heutigen Stand hätten uns in der Vergangenheit weitergeholfen?

Für Gründer*innen ist eventuell ein solcher Moment, in welchem sie Learnings aus ihrer jetzigen Position einbringen würden, das erste Gespräch mit Investor*innen. Welche Tipps würden sie ihrem jüngeren Ich somit an die Hand geben, um aus heutiger Perspektive das perfekte erste Gespräch mit Investor*innen zu führen? Wir haben unsere LinkedIn-Community gefragt und nach den besten Tipps, aber auch größten Fehlern gefragt. Hier sind die besten Insights:

1 – Verstehe, wie du dein Produkt verkaufst – und das nicht nur oberflächlich

So banal wie diese Frage klingen mag, umso gefährlich ist es, sie nur oberflächlich zu beantworten. Klar ist: Gründer*innen machen sich natürlich Gedanken, wie sie ihr Produkt vertreiben wollen. Das gehört schließlich zu den Standardinformationen, welchen Investor*innen präsentiert werden in den ersten Gesprächen. Bedeutet dies aber auch, dass eine in der Theorie aufgebaute Vertriebsstrategie auch in der gesamten Komplexität durchstiegen werden kann? Die Antwort hierzu ist leider oft: Nein. Zumindest wenn es nach Gründer Nikolaus Haufler, CEO von WETTERHELD, geht.

Wenn er die Möglichkeit hätte in sein erstes Investorengespräch zurückzureisen, bzw. in die Woche davor, würde er sich nur für die Frage des Vertriebs seines Produktes eine Woche gemeinsam mit Vertriebsexpert*innen einsperren und Vollzeit darauf vorbereiten.

2 – Dein Kunde ist dein bester Freund – sei aufmerksam und verstehe sie gut

Mindestens genauso wertvoll wie die Frage zum Vertrieb ist es sich zu fragen, was die eigenen Kunden eigentlich wirklich wollen. In der Realität kommt es oft vor, dass Gründer*innen am Kunden vorbei entwickeln. Doch wie lässt sich dies vermeiden und vor allem positiv in Investorengesprächen zunutze machen? Laut Oezer Kopdur, CEO von Pembe.io, würde er von seinem heutigen Standpunkt aus deutlich mehr Zeit mit entsprechenden Kundengesprächen verbringen.

Das hat nicht nur den Vorteil, dass frühzeitig verhindert werden kann, dass man am Kunden vorbei entwickelt, aber auch, dass man Investor*innen mit einem validierten Proof-of-Concept gegenüber treten kann. Das wirkt!

3 – Nimm das erste Gespräch, um für das zweite zu lernen – und erlaube dir, nervös zu sein

Nervosität ist kaum abstellbar, wenn sich das erste richtige Gespräch mit Investor*innen anbahnt. Schließlich ist dies ein großer Moment an welchem a) nicht nur viel Hoffnung hängt sondern man auch b) sich dem ehrlichen Feedback der Angels gnadenlos ausliefert. Und gerade am Anfang, wenn Founder noch wenig Gründungserfahrung mitbringen, werden Angels hier voraussichtlich viel zu melden haben.

Johannes Sontag, Co-Founder bei Evolute, würde aber dennoch mit mehr Gelassenheit in die ersten Gespräche mit Angels gehen. Denn Fehler werden gezwungenermaßen vorkommen, aber wichtig ist, dass man diese als Verbesserungsmöglichkeit für kommende Gespräche nutzt. Denn daran sollten sich neue Gründer*innen schonmal gewöhnen: Ihr werdet hunderte Gespräche mit Investor*innen führen und von Mal zu Mal selbstbewusster werden. Also, spart euch hier die Nerven und freut euch am bewussten Fehler machen.

4 – Begeistere mit deinem Investor-FAQ – und sei auf jede Frage gewappnet

Viel Nervosität der Gründer*innen stammt vor allem von den möglchen Rückfragen der Angels. Denn hier müssen sie beweisen, dass sie auch abseits vom Skript kompetent mit Rede und Antwort stehen können. Wie kann man also hier auch proaktiv gegen die eigene Nervosität vorbeugen? Yannik Kupferschmidt , CTO bei EasyMedBox, würde nichts dem Zufall überlassen und sieht in einer guten Vorbereitung auf mögliche Investorenfragen viel Potential für gelungene Angel-Gespräche.

Sein Tipp daher stets mit einem vorgefertigten Frage-Antwort-Bogen in die Investorengespräche zu gehen, um für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Das hat nicht nur den Vorteil, dass die Antwort optimiert und somit möglichst kurz gefasst sind, sondern auch, dass auch an schlechten Tagen eine gleichbleibende Qualität gewährleistet werden kann.

Übrigens: Zum Thema Investor-FAQ haben wir euch auch schon mal einen spannenden Blogartikel mit einer Gratis-Checkliste mit den wichtigsten Fragen der Investor*innen zusammengestellt.

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5 – Erlaube dir einen selbstbewussten Standpunkt – du bietest Angels eine tolle Investmentmöglichkeit

Wenn es um das Thema Investment von Angels geht, kann sich bei Gründer*innen schnell die Stimmung einstellen, dass sie Bittsteller der Investor*innen sind. Klar, schließlich geht es hier oft um nicht ganz unbeträchtliche Geldsummen. Aber dennoch, erlaube dir auch hier einen Perspektivwechsel: Du bietest Investor*innen eine tolle Möglichkeit mit der Aussicht auf (hoffentlich!) eine hohe Rendite ihres Invests.

Dieses Mindset würde zumindest Helen Hagge, Geschäftsführende Gesellschafterin von HYLI, ihrem jüngeren Ich wünschen. Selbstbewusst zur eigenen Idee zu stehen und hier eher den Angels die Investmentopportunity schmackhaft machen, als hier die Bittsteller-Position einzunehmen.

6 – Gib dich nicht mit einem „Wir melden uns“ zufrieden – sei proaktiv & löchere auch die Angels mit Gegenfragen

Das Gespräch mit Investor*innen ist vollbracht, die erste Aufregung legt sich und der Grundtenor ist positiv, denn die Angels geben als Feedback, dass sie sich melden werden. Stop! Sollte man sich nun hier mit dieser Floskel zufrieden geben und das Gespräch abebben lassen? Laut Gründer Martin Saeckl (CEO von Packair) nicht, denn wenn er in die Vergangenheit zurückreisen könnte, wäre das Gespräch für ihn an diesem Punkt noch lange nicht zu Ende.

Er rät seinem jüngeren Ich: genauso wie die Investor*innen ihn als Gründer mit Fragen löchern, dasselbe auch andersherum zu tun. Angels mit vielen Fragen auf den Zahn fühlen und somit mehr Verbindlichkeit zu schaffen. Das zeigt nicht nur Interesse und dass man sich informiert hat über das Gegenüber, sondern kann auch im Nachgang helfen, wenn man sich anhand des Protokolls für oder gegen Investor*innen entscheiden muss. Typische Fragen könnten hier beispielsweise sein: Wie hoch sind die Tickets? Bis wann soll die Runde geschlossen werden? Welche Startups haben die Angels im Portfolio? Was war ihr bester/schlechtester Invest und warum? In welcher Woche kann mit einer Rückmeldung gerechnet werden?

Was berichten Gründer*innen über ihr erstes Gespräch mit Angels?

Auch in unserer AddedVal.io Founder Academy berichten uns Gründer*innen aus ihren eigenen Erfahrungen, wie für sie Gespräche mit Angels ablaufen. Schaut selbst rein:

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