Eine lange Reise, die zu drei Investoren führte

Denis Mrksa ist Gründer von Resilo
Bis er den idealen Mix für sein Startup gefunden hat, sprach Denis Mrksa, der Gründer von Resilience Digital Solutions, mit vielen verschiedenen Geldgebern. Dabei hat er eine Menge gelernt und teilt einige der Erfahrungen hier im Interview. Das digitale Startup im Pflege- und Gesundheitsmarkt hat zuletzt eine Angel-Runde mit drei Investoren abgeschlossen und dabei einen fünfstelligen Betrag geraised.

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(Länge: 13:42 Minuten)

Anne: Bevor wir zur Finanzierung kommen, möchte ich natürlich wissen, womit sich euer Startup beschäftigt. 


Denis: Wir sind Resilience Digital Solutions, ein B2B Software-Unternehmen im Pflege- und Gesundheitsmarkt. Das Produkt heißt Resilo und es ist ein digitaler Helfer für pflegende Angehörige. Resilo findet man auf den Webseiten von Sanitätshäusern, Apotheken, Kliniken und Pflegediensten. Unser digitaler Helfer berät die Kunden von Pflegeversorgern in ihrer Pflegesituation und hilft bei Anträgen. Damit schafft er einen Überblick über das Pflegeangebot für Pflegehaushalte. Uns gibt es seit anderthalb Jahren und wir haben im Q2/2021 eine kleinere, erste Finanzierungsrunde abgeschlossen, um durchstarten zu können.


Anne: Wie lange hat der Prozess des Fundraisings insgesamt gedauert?


Denis: Oh ja, da kam ja so was wie der Corona-Lockdown dazwischen und damit die Schwierigkeiten, auf Veranstaltungen zu gehen, wo man eigentlich Investoren immer trifft. Wir haben eigentlich schon im Februar 2020 angefangen, mit den ersten VCs zu sprechen, weil wir am Anfang einen Plan hatten, der auf Venture Capital ausgelegt war. Das hat sich dann verschoben. Die Gespräche mit den VClern waren Lockdown-bedingt und durch Priorisierung auf deren Seite etwas schwierig. Daraufhin haben wir den Finanzierungsmix neu überdacht und neu aufgestellt. Im Dezember 2020 konnten wir dann mit der Business Angel-Runde starten.


Anne: Wie habt ihr den ersten Angel kennengelernt?


Denis: Zuerst hatten wir einen anderen Finanzplan mit einem größeren Businessplan dahinter. Damit haben wir erstmal versucht über die Ansprache von Venture Capital-Firmen in eine Finanzierung reinzukommen. Zu dem Zeitpunkt waren die Investoren zurückhaltender und wir haben unseren Plan überarbeitet. Vor allem haben wir einen Finanzierungsmix aufgestellt, der etwas schlanker war. Zuletzt bestand dieser aus Eigenkapital, Gründer-Darlehen und Business Angels.

In diesem Prozess und bei der Suche nach den richtigen Gründer-Darlehen-Strukturen haben wir viele Gespräche geführt und verschiedene Kontakte kennengelernt. So sind wir dann letztendlich auf die Business Angels gestoßen. Diese kamen aus dem privaten Netzwerk und einem professionellen Netzwerk, das wir uns aufgebaut hatten.

Hilfreich für uns waren vor allem die regionalen Business Angels Netzwerke. Aus dem Business Angel Netzwerk Weser Elbe ist einer von drei Angel mit dabei. Der zweite ist ein Kontakt eher eher aus dem privaten Umfeld, der selber erfolgreicher Gründer war und uns mit viel operativem Wissen unterstützt. Der letzte Angel kam über einen Business-Kontakt – über drei Ecken. So wie das meistens läuft: man lernt Leute kennen und irgendwann passt es.


Anne: Das klingt aber schon nach einer etwas längeren Reise. Konntet ihr eine Routine entwickeln oder war es immer wieder neu und aufregend?


Denis: Ja, immer wieder neu und immer wieder aufregend. Es ist ganz klar, dass man als Startup natürlich versucht, sein existierendes Netzwerk zu nutzen, aber auch ganz viele neue Kontakte erschließt. Man erzählt ja quasi jedem im privaten und dem geschäftlichen Umfeld von seiner Idee. Es kommen dann manchmal Termine zustande, weil irgendjemand jemanden kennt, der sich mit Startups beschäftigt.

Da muss man erst mal sondieren, was macht er denn dann überhaupt mit Startups? Passt das überhaupt? Ist er auch für ein Funding interessant? Und dann ist es auch eine Timing-Geschichte. Passt das vom Investitionsvolumen gerade in die Zeit rein? Ist das Geld von allen Geldgebern verfügbar, auch von den Business Angels? Wann kann es ausgegeben werden? Wann kann es investiert werden? Und ja, es ist ein etwas komplexerer, recht aufwendiger Prozess gewesen. Die Ticketsumme, die wir jetzt haben, die hilft uns natürlich.


Anne: Ihr habt scheinbar viele Wege ausprobiert. Gab es Herangehensweisen, die gar nicht funktioniert haben oder solche, die besonders gut waren?


Denis: Was gar nicht funktioniert hat, war einfach im Internet nach Investoren zu suchen, sich dann bei Plattformen anzumelden und zu warten, was passiert. Natürlich geht das relativ schnell, so eine Plattform zu finden. Da kommen immer mehr und sie sprießen wie Pilze aus dem Boden. Manchmal investiert man auch etwas, um besser gefunden zu werden. Das hat bei uns nicht funktioniert. Was letztendlich gut funktioniert hat, sind die regionalen Business Angels Netzwerke. Natürlich haben wir viel gepitcht und sind verschiedene Jury-Formate durchgegangen. Das ist teilweise recht aufwendig, manchmal muss man dafür Videos produzieren. Aber schließlich hat es mal geklappt.


Anne: War der Vorteil bei den Netzwerken, dass jemand den Prozess moderiert hat? Was war der Unterschied zu den Plattformen?


Denis: Ich glaube der Hauptunterschied ist, dass es bei Investitionsfragen um das persönliche Netzwerk geht. Es braucht ein Gesicht und einen Namen dahinter und nicht ein anonymes Portal. Natürlich verbergen sich dahinter Menschen, Investoren und Startups, aber das ist ja eine Art Blackbox, bei dem irgendwie ein Matching stattfindet. Für uns hat es nicht funktioniert. Bei diesen regionalen Netzwerken ist tatsächlich ein Investoren-Pool dahinter, der es vielleicht ernster meint und der konkreter ist. Wenn man einmal in diesem Netzwerk positioniert ist und diese Pitching-Formate einigermaßen gescheit mitmacht, dann kommt schneller der Kontakt zustande. Wenn dazu die Idee was taugt, dann wird es auch schneller konkret.


Anne: Kannten sich die Angels untereinander? Oder habt ihr die handverlesen zusammengebracht?


Denis: Bei uns ist es zum einen ein Finanzierungs-Mix, aber auch ein Angel-Mix. Es war Teil des Prozesses, dass ich als Gründer die verschiedenen Angels und Kontakte zusammengebracht habe. Und das ist auch ein Tipp, den ich geben kann: Meine Erfahrung ist, dass es mit einem Angel alleine meistens nicht klappt. Der Angel möchte eine Sicherheit haben, dass andere Angels oder Investoren mit dabei sind.

Natürlich hat uns dabei auch das Gründerdarlehen geholfen, denn es bedeutet, dass der Gründer selber voll in die Investition reingeht. Hat man dazu auch noch Eigenkapital, gibt das den Investoren Sicherheit. Und das war dann meine Aufgabe, die verschiedenen Kontakte zusammenzubringen. Die haben sich zum Glück verstanden, es hat gut gepasst und auch jeder hat seine Expertise eingebracht. Wir haben drei Angels, die alle eine individuelle Expertise mitbringen. Es ist gut, wenn ein Startup so von verschiedenen Netzwerken, Kontakten und Expertisen profitieren kann.


Anne: Das klingt ja so, als bist du in dem Prozess stark gewachsen. Wenn du anderen Gründern und Gründerinnen einen Tipp geben würdest, was wäre das? Welchen Fehler sollten sie gleich vermeiden?


Denis: Wenn ich es nochmal neu machen würde, dann würde ich von Anfang an ein bisschen Komplexität rausnehmen. Das ist meistens besser umzusetzen, indem man einen sehr soliden und realistischen Finanzplan hat. Also die Planung muss einfach sehr gut sein: Wie viel Geld brauche ich für was? Das kann ich jedem Gründer mitgeben, hier viel Zeit zu investieren und sich auch Beratung einzuholen. Dann hilft es natürlich auch immer, wenn man die Möglichkeit hat, ein Gründerdarlehen zu bekommen oder eine Absicherung durch Eigenkapital. Zum Start ist es ohne Eigenkapital sehr schwer, einen Angel zu überzeugen. Da muss die Idee wirklich schon so sensationell und vielleicht auch schon erste Traktion da sein. 


Anne: Danke für die Tipps. Fundraising ist der Anfang eurer Reise. Wie geht es denn jetzt weiter?


Denis: Unser Fokus liegt darauf, Traktion zu gewinnen und unseren Umsatz zu erhöhen. Unsere Startfinanzierung, das wissen wir alle, reicht nicht Ewigkeiten. Der Plan ist relativ sportlich. Wir nutzen das Kapital, um das Produkt weiterzuentwickeln und die Kosten zu überbrücken, bis uns die Umsätze weitestgehend selbst tragen. Gleichzeitig sind wir immer dabei, das Businessmodell ein bisschen zu pivotieren. Das heißt, zu überlegen, wie das Produkt noch anders vermarktet werden kann.

Und das Ziel wird sein, dann relativ bald in die nächste Finanzierungsrunde zu gehen, die dann auch deutlich größer ist. Der Plan dahinter sieht vor, dass wir mit mehr Geld auch mehr umsetzen. Das heißt, Traktion gewinnen, den nächsten Plan aufsetzen, den nächsten Pitch so vorbereiten, dass die nächste Finanzierungsrunde gesichert werden kann.


Anne: Ich wünsche euch ganz viel Erfolg dabei und bedanke mich für das Gespräch.